Rentner im Ausland, steuerpflichtig

Deutsche Rentner im Ausland – wer muss Steuern zahlen?

Viele Rentner zieht es ins Ausland: Die Sonne ist warm, das Leben kostet wenig, und die deutsche Bürokratie ist weit, weit weg … Nicht ganz so weit, wie viele denken! Immer mehr Rentner müssen eine Steuererklärung abgeben, auch wenn sie im Ausland leben. „Schuld daran“ ist das Alterseinkünftegesetz, dass 2004 von der Bundesregierung unter Gerhard Schröder beschlossen wurde und ein Jahr später in Kraft trat. Seitdem werden Vorsorgeaufwendungen schrittweise stärker steuerlich absetzbar, im Gegenzug werden Renten und Altersbezüge zunehmend steuerpflichtig. Dieser Grundsatz der „nachgelagerten Besteuerung“ soll die privaten Vorsorge, beispielsweise die Riester-Rente, fördern und gegenfinanzieren. Ob das eine gute Idee ist, sei dahingestellt. In jedem Fall müssen auf Altersbezüge seit 2005 Steuern gezahlt werden. Wir verraten Ihnen, was die „Steuer auf die Rente“ für Sie bedeutet, und was Sie jetzt unternehmen sollten.

Alle deutschen Rentner sind steuerpflichtig, auch im Ausland.

Grundsätzlich ist jeder Empfänger von Altersbezügen seit 2005 steuerpflichtig – egal, ob im In- oder Ausland lebend. Dass viele deutsche Rentner im Ausland erst jetzt vom Finanzamt Post bekommen, liegt an dem enormen Kraftakt, den die Behörden vollbringen mussten, um das Gesetz von 2005 überhaupt in die Tat umzusetzen. Gut ein halbes Jahrzehnt dauerte es allein, alle Informationen über Rentenbezieher im Ausland im dafür zuständigen Finanzamt in Neubrandenburg zu sammeln. Erst seit 2011 werden von dort aus Auslandsrentner zur Abgabe einer Steuererklärung aufgefordert. Und erst seit 2013 ermöglicht eine EU-Richtlinie die Amtshilfe und den Informationsaustausch zwischen den einzelnen Ländern. Die Mühlen der Bürokratie mahlen also langsam, das ändert jedoch nichts an der Steuerpflicht: Auch wer im Ausland lebt, muss auf seine Alterseinkünfte Steuern zahlen.

Unser Praxistipp:

Auch als Rentner sollten Sie sich regelmäßig über die aktuelle Steuergesetzgebung informieren. Verschaffen Sie sich einen Überblick über Ihre finanzielle Situation.

Auch Rentner im Ausland müssen eine Steuererklärung abgeben.

Zuständig für das Erfassen von Altersbezügen ist die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA). Die Behörde hat Zugriff auf alle Daten von Rentenversicherungsträgern, Versorgungswerken, privaten Rentenkassen und Lebensversicherern und informiert ihrerseits die Finanzämter. Zusätzlich informieren sich die Finanzbehörden der Staaten, mit denen Doppelbesteuerungsabkommen bestehen, gegenseitig über Einkünfte aus Erwerbstätigkeit, Zinsen, Lebensversicherungen und Pensionen. Besonders die EU-Mitgliedsstaaten tauschen fleißig Daten, das Netz ist engmaschig. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis jeder im Ausland lebende Rentner Post aus Neubrandenburg bekommt. Spätestens dann ist die Abgabe einer Steuererklärung fällig. Es ist jedoch schlauer, nicht erst auf „den Brief aus der Heimat“ zu warten, sondern selbst aktiv zu werden.

Unser Praxistipp:

Informieren Sie sich, ob zwischen Deutschland und dem Land, in dem Sie leben, ein Doppelbesteuerungsabkommen besteht. Leben Sie in der Europäischen Union?

Alterseinkünfte werden auch rückwirkend versteuert.

Die Höhe der „Steuer auf die Rente“ hängt maßgeblich vom Jahr des Renteneintritts ab. Wer 2005 oder davor in Rente gegangen ist, muss 50 Prozent seiner Alterseinkünfte versteuern, die andere Hälfte – der Rentenfreibetrag – bleibt steuerfrei. Danach steigt der zu versteuernde Anteil jährlich um 2 Prozent an, bis schließlich 2040 alle Alterseinkünfte vollkommen besteuert werden. Wer 2017 in den Ruhestand geht, muss demnach auf knapp drei viertel seiner Rente Steuern zahlen.

Das Alterseinkünftegesetz ist seit 2005 in Kraft, entsprechend verlangt das Finanzamt Steuererklärungen und Steuerzahlungen rückwirkend ab 2005. Das ist natürlich eine böse Überraschung, denn in mehr als zehn Jahren kann sich einiges an Steuerschulden angesammelt haben. Statt zu warten und möglicherweise noch mehr Schulden beim Fiskus zu machen, ist daher eine schnelle Klärung der tatsächlichen Steuerpflicht und -schuld wichtig.

Unser Praxistipp:

Klären Sie, ob Sie tatsächlich steuerpflichtig sind. Rechnen Sie nach, wie viel Steuern Sie möglicherweise zahlen oder nachzahlen müssen.
Die beschränkte Steuerpflicht kann teuer werden.

Rentner, die ihren Wohnsitz ins Ausland verlegen, sind in Deutschland nur noch „beschränkt steuerpflichtig“, wer zu Hause bleibt, ist weiter „unbeschränkt steuerpflichtig“.  Mit der beschränkten Steuerpflicht soll eine Doppelbesteuerung durch in- und ausländische Finanzämter vermieden werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass dadurch die Steuerlast sinkt. Das Gegenteil ist der Fall, denn mit der beschränkten Steuerpflicht entfallen viele steuermindernde Ansprüche. Der wichtigste ist der steuerliche Grundfreibetrag.

Der steuerliche Grundfreibetrag, nicht zu verwechseln mit dem Rentenfreibetrag, ist die Grenze unterhalb derer Einkünfte unversteuert bleiben. 2017 sind das 8.820 Euro für Alleinstehende und 17.640 Euro für Ehe- oder eingetragene Paare. Rentner im Ausland erhalten diesen Grundfreibetrag nicht, ihre Alterseinkünfte werden vom ersten Euro an besteuert. Das kann teuer werden – muss es aber nicht.

Unser Praxistipp:

Lernen Sie die wichtigsten Begriffe kennen: Rentenfreibetrag, Grundfreibetrag, beschränkte und unbeschränkte Steuerpflicht.

Ein Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht kann Geld sparen.

Wer seine Alterseinkünfte zum weitaus größten Teil aus Deutschland bezieht, kann aufatmen. In diesem Fall kann beim Finanzamt ein Antrag auf „unbeschränkte Steuerpflicht“ gestellt werden. Wird dem Antrag entsprochen, gilt wieder der Grundfreibetrag. Einkünfte unterhalb des Grundfreibetrages bleiben dann steuerfrei. Zusätzlich greifen bei unbeschränkter Steuerpflicht auch andere „Steuersparmodelle“ wie beispielsweise das Ehegatten-Splitting oder Werbungskosten.

Doch was bedeutet „weitaus größter Teil“? – Darauf gibt es zwei Antworten. Entweder: Die Alterseinkünfte werden zu wenigstens 90 Prozent aus Deutschland bezogen, und es gibt daneben im Ausland nur kleine Einkünfte, beispielsweise aus Zinsen, Rente oder einem Nebenjob. Oder: Die Einkünfte aus dem Ausland, die nicht in Deutschland versteuert werden, liegen unter dem Grundfreibetrag von 8.820 bzw. 17.640 Euro.

Über alle Einkünfte aus dem In- und Ausland müssen bei Antragstellung Nachweise beigebracht werden. Das kann Nerven kosten, doch der Aufwand lohnt sich. Summiert man die durch die unbeschränkte Steuerpflicht gesparten Steuern über mehrere Jahre auf, kommt ein ansehnlicher Betrag zusammen. Manchmal macht dieser Betrag den Unterschied aus zwischen einem unbeschwerten Lebensabend und Altersarmut. Es lohnt sich also genau zu prüfen, ob eine unbeschränkte Steuerpflicht in Frage kommt.

Unser Praxistipp:

Kommt die unbeschränkte Steuerpflicht für Sie in Frage? Dann sollten Sie unbedingt nachrechnen, welche Steuerersparnis möglich ist.

Deutsche Rentner im Ausland sollten einen Steuerberater kontaktieren.

Die seit 2005 bestehende Steuerpflicht und die schleppende Bearbeitung durch die Finanzämter können deutsche Rentner im Ausland in eine unangenehme Lage bringen – Nachzahlungen drohen. Es hilft jedoch nicht, den Kopf in den Sand zu stecken, denn früher oder später finden der Fiskus jeden Altersruhesitz. Besser ist, die eigene Situation jetzt nüchtern zu analysieren und die Möglichkeiten zu nutzen, die das Steuerrecht gewährt. Da die Steuergesetzgebung oft angepasst wird und nicht selten unübersichtlich wirkt, lohnt sich in jedem Fall der Rat eines Steuerberaters.

Unser Praxistipp:

Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie einen Steuerberater – am besten, bevor Sie selbst mit dem Finanzamt in Verhandlung treten. Behr & Partner informiert Sie über Ihre Rechte und rechnet für Sie nach. Kontaktieren Sie uns. Wir beraten Sie gern!