Steuerhinterziehung auf Ebay und Amazon, Steuerfall vermeiden

Steuerhinterziehung auf Ebay und Amazon – Steuerfall vermeiden

Privatverkäufe auf Ebay & Co. – steuerfrei oder Steuerhinterziehung?

Mit Privatverkäufen auf Online-Marktplätzen wie Ebay lässt sich schnell ein ansehnlicher Nebenverdienst erzielen. Doch Vorsicht: Auch Handelsplattformen im Internet unterliegen dem Steuerrecht und das Finanzamt nimmt erfolgreiche Händler gern unter die Lupe. Wenn Sie häufiger auf Ebay & Co. verkaufen und dabei Ärger vermeiden wollen, lohnt sich daher ein Blick in unsere Praxistipps.

Kommentare in sozialen Netzwerken stehen momentan im Brennpunkt der Diskussion darüber, ob das Internet ein rechtsfreier Raum sei. Vielfach beachtet wurden in der Vergangen auch die Abmahnwellen im Zusammenhang mit Tauschbörsen. Immer noch wenig diskutiert werden  dagegen Handelsplattformen wie Ebay, Amazon oder ähnliche. Zu unrecht! Denn die Handelsplätze im Internet sind durchaus keine rechtsfreien Räume. Hier greift das Steuerrecht, und das Finanzamt schaut genau hin. Wenn Sie sich vor bösen Überraschungen schützen wollen, sollten Sie daher bei Privatverkäufen auf Ebay & Co. einige wichtige Grundsätze beachten.

Viele Ebay und Amazon Verkäufer laufen in eine Steuerfalle, die richtig teuer werden kann, durch Verkäufe auf diesen Plattformen. Erfahren Sie mehr dazu, wie Sie richtig auf Amazon oder Ebay verkaufen, ohne Steuerfalle.
Im Interview Amazon Profi Jens Linder und Steuerberater Behr.

 

Online-Marktplätze sind nicht automatisch Flohmärkte

Oftmals werden Handelsplattformen im Internet per se Flohmärkten oder Kleinanzeigen gleichgesetzt. Tatsächlich sind von den 5,4 Millionen deutschen Verkäufern auf Ebay nur rund 175.000 als gewerbliche Händler registriert. Der Großteil nutzt Ebay demnach ausschließlich für Privatverkäufe. Das Finanzamt sieht das anders: Als Verkäufer im Internet können Sie auch ohne Anmeldung und Ladenlokal gewerbsmäßig handeln. Die Beamten suchen gezielt nach Händlern, die regelmäßige oder hohe Einnahmen aus Verkäufen erzielen, und ermitteln bei Verdacht auf Steuerhinterziehung Name, Anschrift und Bankverbindung. Bestätigt sich der Verdacht, drohen „Schwarzhändlern“ Steuernachzahlungen und saftige Strafen, im Zweifelsfall entscheidet ein Gericht.

Unser Praxistipp: Hinterfragen Sie Ihren Zeiteinsatz und Ihre Einnahmen. Ist Ebay nur ein Hobby oder ist es mehr?

Nur Gelegenheitsverkäufe sind steuerfrei

Auch in Zeiten des Internets bleibt der gelegentliche Kleinhandel zwischen Privatleuten grundsätzlich steuerfrei. Die Grenzen zwischen privatem und gewerblichem Handel sind dabei jedoch fließend.

Unproblematisch beispielsweise sind einmalige Verkäufe aus Haushaltsauflösungen oder Entrümplungen. Wer sind von Kunst und Krempel vom Dachboden trennt, bleibt in der Regel steuerfrei. Schwieriger wird es beim wiederholten Verkauf von gleichartigen Gegenständen oder Neuware oder wenn Sie Waren für Dritte verkaufen. Kritisch wird es, wenn Sie einige Dutzend Verkäufe innerhalb kurzer Zeit anbahnen oder Ihre Angebote aufwendig, kostenpflichtig bewerben. Dann kann das Finanzamt einen gewerbsmäßigen Handel mit Gewinnerzielungsabsicht annehmen und Sie zur Kasse bitten.

Unser Praxistipp: Prüfen Sie Anzahl und Art Ihre Verkäufe. Verkaufen Sie „ab und zu“ oder regelmäßig, „Schätzchen“ oder Neuware?

Wiederverkäufe sind häufig steuerpflichtig auf Marktplätzen

Beim Verkauf von Neuware oder neuwertige Ware ist immer Vorsicht geboten. Das gilt sicherlich nicht für die in der falschen Größe bestellte Bluse, ganz anders bewertet das Finanzamt dagegen den gewinnbringenden Weiterverkauf von z.B. Spielkonsolen, Mobiltelefonen oder Eintrittskarten. Wenn Sie also das neue iPhone gleich zweimal kaufen und das Zweitgerät sofort wieder auf Ebay setzen, ist das für das Finanzamt kein Privatverkauf. Es gilt: Wenn Sie Waren extra für den Wiederverkauf gekauft haben, handeln Sie gewerbsmäßig und müssen Ihre Einnahmen versteuern.

Unser Praxistipp: Seien Sie achtsam bei Wiederverkäufen. Haben Sie die Ware extra für den Weiterverkauf erworben?

Auch für Privatverkäufe gibt es eine Spekulationsfrist

Für den Verkauf von Wertgegenständen, egal ob Neuware oder nicht, gilt eine Spekulationsfrist von zwölf Monaten. Das heißt: Wenn Sie Gegenstände kaufen und innerhalb eines Jahres wieder verkaufen, sind die daraus erzielten Gewinne steuerpflichtige Einnahmen und müssen dem Finanzamt als privates Veräußerungsgeschäft in der Anlage „SO“ der Einkommensteuererklärung gemeldet werden. Wichtig für das Finanzamt sind dabei die Daten von Kauf und Verkauf sowie der erzielte Gewinn. Bleibt der Gewinn unterhalb von 600 Euro, so bleibt er auch steuerfrei. Andernfalls werden Ihre „Spekulationsgeschäfte“ besteuert.

Unser Praxistipp: Achten Sie auf Spekulationsfristen. Haben Sie den verkaufen Gegenstand selbst vor weniger als zwölf Monaten erworben?

Neben der Einkommensteuer können auch Umsatz- und Gewerbesteuer fällig werden

 Wenn Sie als Online-Händler regelmäßige oder hohe Einkünfte erzielen, werden Sie einkommensteuerpflichtig. Nur wenn Ihr gesamtes Jahreseinkommen unter dem Grundfreibetrag von 8.354 Euro liegt, bleiben Sie steuerfrei. Auch wenn Sie nur „nebenbei“ auf Ebay & Co. verkaufen, müssen Sie Ihre zusätzlichen Einkünfte in der Steuerklärung angeben, sobald der jährliche Freibetrag von 410 Euro überschritten wird. Nebeneinkünfte über 820 Euro im Jahr werden voll versteuert.

Sie gelten als Kleinunternehmer, solange der Umsatz aus Ihren Verkäufen 17.500 Euro innerhalb eines Jahres nicht überschreitet. Dann bleibt es bei der Einkommensteuer. Anders sieht es aus, sobald der Betrag größer wird: Übersteigt der Umsatz des Vorjahres 17.500 Euro und der des laufenden Jahres voraussichtlich 50.000 Euro, werden Sie zusätzlich umsatzsteuerpflichtig. Dann müssen je nach Art der Ware zwischen 7% und 19% Umsatzsteuer ausweisen und an das Finanzamt abführen.

Sollte Ihr jährlicher Gewinn 24.500 Euro überschreiten, müssen Sie zusätzlich Gewerbesteuer an Ihre Kommune abführen.

Unser Praxistipp: Behalten Sie Ihre Umsätze und Gewinne im Blick. Sind Sie bereits ein Kleinunternehmer oder Gewerbetreibender?

Gehen Sie auf Nummer sicher. Führen Sie Buch

Privatverkäufe auf Ebay & Co. überschreiten schnell und oft unbemerkt die Grenze zwischen Hobby und Gewerbe. Wenn Sie also häufiger Waren auf Online-Marktplätzen verkaufen, lohnt es sich, selbst einmal nachzurechnen, bevor es das Finanzamt tut.

Führen Sie über Ihre Verkäufe Buch und verschaffen Sie sich einen Überblick über Umsätze und Gewinne. Bewahren Sie Rechnungen und sonstige Kaufbelege der Waren auf, die Sie weiterverkaufen. Sie können damit steuerabzugsfähige Kosten oder die Einhaltung von Spekulationsfristen nachweisen. Auch Werbekosten im Zusammenhang mit Ihren Verkäufen sollten Sie in der Buchführung nicht vergessen. Sie erleichtern sich Ihre Steuererklärung und beugen Problemen vor, falls das Finanzamt Ihre Zahlen genauer hinterfragt und im Zweifelsfall schätzen will.

Unser Praxistipp: Führen Sie von Anfang an Buch. Haben Sie immer alle Belege zur Hand?

Nicht nur das Finanzamt prüft

Wenn Sie mit Privatverkäufen oft oder viel Geld dazu verdienen, sollten Sie neben dem Finanzamt auch mit anderen neugierigen Beobachtern rechnen: den professionellen Händlern. Viele professionelle Händler, die vom Kaufen und Verkaufen leben und durch Steuern und Abgaben belastet werden, sehen die private – steuerfreie – Konkurrenz nicht gern. Das gilt besonders dann, wenn Sie als privater Händler regelmäßig in Erscheinung treten.

Dann droht Ihnen der Vorwurf, sich durch unterlassene Steuer- und Abgabenzahlungen einen Wettbewerbsvorteil zu erschleichen: „unlauterer Wettbewerb“. Lässt sich dieser Vorwurf erhärten, drohen Ihnen kostenpflichtige Abmahnungen und Schadensersatzansprüche, nicht selten folgen dann auch Ermittlungen wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung.

Wenn Sie häufig auf Ebay oder ähnlichen Handelsplattformen verkaufen, sollten Sie daher erwägen, sich dort von vornherein als „Profi-Händler“ zu registrieren.

Unser Praxistipp: Prüfen Sie nach, ob Sie ins „Profi-Lager“ überwechseln sollten. Stehen Sie in Konkurrenz mit gewerblichen Händlern?